Der Junge und der Reiher

Der Junge und der Reiher

egoFM Trailer: Filmtipp

Von  Fabian Broicher
Anime-Meister Hayao Miyazaki kehrt mit einem Meisterwerk aus dem Hause Studio Ghibli aus dem Ruhestand zurück.


  • Der Junge und der Reiher
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Wer hinter Der Junge und der Reiher steckt

Auch hinter den Kulissen oftmals magischer, wundervoller Filme geschehen noch Wunder. Hayao Miyazaki, meisterhafter Erzähler und Star-Regisseur der Anime-Produktionsfirma Studio Ghibli, hatte vor über zehn Jahren angekündigt, sich aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Kreativer Kopf hinter den besten Filmen des japanischen Zeichentricks - Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland, Das Wandelnde Schloss, um nur einige zu nennen - hatte das Gefühl, seinen Dienst für eine Welt der grenzenlosen Vorstellungskraft getan zu haben. Und nun gibt es ihn doch, Der Junge und der Reiher, einen neuen Film von Hayao Miyazaki. Ein kleines Wunder.

Worum geht es in Der Junge und der Reiher?

In einer Welt, scheinbar völlig von Wundern befreit, beginnt die Handlung von Der Junge und der Reiher. 1943 leidet Japan unter dem Pazifikkrieg. Auch der 12 Jahre alte Mahito spürt dessen tödliche Folgen. Seine im Krankenhaus liegende Mutter kommt bei einem Brand während eines Luftangriffs ums Leben. Als Halbwaise reist Mahito mit seinem Vater, der mittlerweile die jüngere Schwester seiner verstobenen Frau geheiratet hat, aufs Land. Er spricht kaum, fängt nach der Schule Prügeleien an, seine neue Mutter akzeptiert er kaum – ein glückliches Leben sieht anders aus. Dann jedoch begegnet er einem mysteriösen Graureiher, der es scheinbar auf Mahito abgesehen hat. Der Wasservogel, eigentlich ein kostümierter Gnom, lockt den Jungen zu einem verlassenen Turm. Dort, so behauptet er, wird Mahito seiner verstorbenen Mutter wiederbegegnen. In Wahrheit gelangt er in eine magische Welt, in der er viele Prüfungen bestehen muss, ehe er seine Mutter wiedersehen kann.

Der Trailer für Der Junge und der Reiher


So ist Der Junge und der Reiher

In schillernden Bildern und fantasievollen Metaphern erzählt Hayao Miyazaki die Reise seines jungen Helden. Voller charmanter Ideen entfaltet sich Der Junge und der Reiher wie eine Landkarte mit jedem neuen Gebiet, das Mahito durchquert. Dabei begegnet er fleischfressenden Sittichen, süßen weißen Wesen, die an schwebende Spermien erinnern, und zu Wasser zerfließende Gestalten längst verstorbener Menschen. All diesen Dingen merkt man Miyazakis beinahe kindliche Freude am Geschichtenerzählen an, die mitreißt. Besonders stark, wenn der Regisseur seine magische Welt mit autobiografischen Zügen verflechtet. Am Schluss offenbart sich Miyazaki selbst als alter, mächtiger Magier, der am Ende seiner Kräfte für das Gleichgewicht der Welten sorgt und einen Nachfolger sucht.

Dadurch wirkt Der Junge und der Reiher gelegentlich überfrachtet. Man merkt dem Film an, dass in ihm acht Jahre Detailarbeit stecken, denn hinter jedem Einfall, jeder Kreatur, jedem Bild, jeder Station von Mahitos Odyssey vermutet man eine tiefere Bedeutung. Die Spannung reißt aber zu keiner Sekunde ab. Viel zu gerne lässt man sich auf diese Reise in die jenseitigen magischen Lande entführen, sitzt mit großen, staunenden Augen im Kino und verlässt den Saal so beschwingt wie beeindruckt. Der Junge und der Reiher ist ein weiteres Meisterwerk von Hayao Miyazaki und von Studio Ghibli.

Ein fast perfektes kleines Wunder, für das es 9 von 10 Graureihern gibt.

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