Kurze Geschichte des Feministischen Kampftages

Kurze Geschichte des Feministischen Kampftages

Es geht nicht um Rosen, sondern um Veränderung

Die letzten Jahre rückte der Tag wieder mehr in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Das hat auch mit der Verbreitung feministischen Gedankenguts zu tun. Wir wollen hier die Geschichte des Tages in Deutschland etwas aufdröseln und uns ansehen, wie der Stand 2021 denn so ist.

Der Ursprung liegt im Wahl- und Arbeitskampf

Der Weltfrauentag hat seinen Startpunkt in der sozialistischen Frauenbewegung. Auf der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910 wurde dieser Beschluss gefasst: 
"Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient." 

Der Tag hatte ursprünglich das Konzept eines Streikes zur Idee

Die ursprüngliche Hauptforderungen war das Wahlrecht für Frauen, aber auch arbeitsrechtliche Forderungen. Am 19. März 1911 wurde der erste internationale Frauentag in Europa (Dänemark, Deutschland, Österreich, Bulgarien, in der Schweiz) und den USA gefeiert. Damals hatte die kommunistische Clara Zetkin eine wichtige Rolle in der Umsetzung.

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Erst 1921 wurde sich auf den 8. März als endgültiges Datum festgelegt. Am 8. März hatten nämlich kommunistische Frauenproteste in Russland die russische Oktoberrevolution mit eingeläutet. 

Während des Nationalsozialismus 1933 bis 1945 wurde der Frauentag verboten. Als Ersatz wurde der Muttertag etabliert und gepusht, denn anders als der Weltfrauentag stellt der keine Forderungen und soll sich mit Dankesbekundungen begnügen. 

In der DDR war der 8. März offizieller Feiertag - inklusive sozialistischen Pflichtveranstaltungen. Mit der Zeit wurde der Tag aber zu einer Art alternativem Muttertag - inklusive der Rosentradition - umfunktioniert. 

In der BRD haben 1948/49 Dr. Elisabeth Selbert, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel den Artikel 3, Absatz 2 ins Grundgesetz gekämpft, der besagt "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

Ansonsten gewann der Weltfrauentag erst mit der Frauenbewegung der 70er Jahre wieder Aufmerksamkeit. 

1975 erklärten die Vereinten Nationen einen Tag im Jahr offiziell zum internationalen Frauentag.

1994
rief der Unabhängige Frauenverband am 8. März zum Frauenstreik auf. Im Mittelpunkt standen Frauenarbeitslosigkeit und der Abbau der Kinderbetreuung im Osten. Mit über einer Millionen Protestierenden hatte der Tag einen großen Erfolg. 

1994 wurde  auch der Gleichberechtigungsartikel erweitert, um den aktiven Gleichstellungsauftrag: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." 

Seit den 2000ern lässt sich eine zunehmende Kapitalisierung des Frauenkampftages beobachten. Mit der gesellschaftlicher Akzeptanz von FeminismusTM stieg auch die Vereinnahmung durch Firmen. Das kann natürlich einerseits als positive Entwicklung gedeutet werden, trägt aber einen bitteren Beigeschmack. Nach dem Motto "The future is female" leiden Arbeiter*innen in unterbezahlten Jobs mit Arbeitsverhältnissen aus der Hölle immer noch. Ausbeutung wird ja nicht feministischer, wenn ein #Girlboss die Chefin ist.



Welt-fRaUeN-tag?

Über den Namen "Weltfrauentag" muss gestritten werden. Um die Umdeutung des 8. Märzes als Tag zur Ehrung von Frauen zu vermeiden nach dem Motto "Hier Schatz, ein paar Blumen, ich wollte mal danke sagen dass du mit seit 40 Jahren unbezahlt den kompletten Haushalt schmeißt", nennen viele Feminist*innen den Tag "Feministischer Kampftag". Es geht schließlich nicht um Rosen, sondern um Veränderung.

Außerdem wird die Erweiterung des 8. März als Kampftags für FLINT gefordert, also Frauen Lesben inter* nonbinary und trans* Personen.

Wenn es um die Gleichstellung der Geschlechter geht, sind Frauen ja nicht die einzigen die strukturellen Sexismus erfahren. Und einfach nur ein Sternchen an das Wort Frauen dranhängen ist leider echt keine Lösung. Viele verwenden auch einfach die Bezeichnung "8. März" in Hashtags oder Bündnissen, um die Reduzierung auf Frauen zu vermeiden.



Was will der feministische Kampftag?

Im Grunde will der feministische Kampftag das, was Feminist*innen jeden Tag wollen. Am 8. März geht es darum die Forderungen auf die Straße zu tragen, sich Gehör zu verschaffen und gegenseitig solidarisch miteinander zu sein. Natürlich muss sich auch inhaltlich gefragt werden: Was sind Forderungen, was soll zentriert werden, welche Kämpfe wollen wir führen - und wie?

Weißer Feminismus

Die Geschichte und der Zustand von Feminismus ist nicht unschuldig: weiße Feminist*innen begründeten ihre Forderung nach Wahlrecht mit unter damit, dass auch Schwarze Männer wählen dürften, obwohl diese ja eigentlich "unter ihnen stehen" würden, so die Anführerin der Sufragetten Bewegung in den USA Elisabeth Cady Stinton. Feminismus der einen weißen Universalismus denkt und dabei Schwarze, Menschen mit Be_hinderung oder migrantisierte Menschen nicht mitdenkt oder sich über diese stellt, nennt man weißen Feminismus. Weißer Feminismus vilanisiert oft Männer of Color und schreibt ihnen zu, besonders gefährlich für weiße Frauen zu sein. So auch eine andere Suffragetistin Frances Willard, die sich gegen das Verbot von Lynchmorden an Schwarzen Männern im Süden stellt, weil sie Schwarze Männer beschuldigte, betrunken weiße Frauen vergewaltigen zu wollen.

Das Bild des Schwarzen oder migrantisierten Vergewaltigers ist auch in Deutschland sehr präsent, man denke an die Diskurse nach der so genannten "Silvesternacht Köln." Weil die Täter mehrheitlich nicht weiß waren, wurde dem ganzen medial eine sehr viel größere Aufmerksamkeit geschenkt als vergleichbare Fälle, welche in mehrheitlich weißen Räumen vorkommen, man denke an das Oktoberfest.
In Deutschland zeigt sich weißer Feminismus auch oft durch eine Stilisierung migrantisierter Frauen zu Opfern, welche von weißen Frauen beschützt werden müssen. Alice Schwarzer und die von ihr herausgegebene Zeitung emma sind das Paradebeispiel für weißen Feminismus. Auch "feministische" Organisationen wie Terre des Femmes  fallen immer wieder durch weißen Feminismus und damit einhergehende Muslim*innenfeindlichkeit auf.  Wie also weißen Feminismus vermeiden?

Das Stichwort lautet Intersektionalität.

Das bedeutet die Überlappungen von Diskriminierungen und gesellschaftlichen Positionen mitzudenken und sich auch zu fragen: Wer spricht was und über wen? Sollte eine weiße Frau ohne Kopftuch über die Unterdrückung von Frauen im Islam eine flammende Rede halten? Wohl eher nicht. Es geht auch darum kapitalistische Verhältnisse zu kritisieren: Ist die Forderung nach Frauen in Führungspositionen wirklich die #01-Forderung auf dem Plan der feministischen Befreiung? Oder sollte es nicht eher um gerechte Arbeitsbedingungen für alle gehen, vor allem für die die keine haben? Alle mitzudenken bedeutet auch Differenz anzuerkennen und nicht für alle zu sprechen.  

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