Songs über Mord und Verbrechen

Songs über Mord und Verbrechen

Songs und ihre Hintergründe

Von  Anna Taylor
Das unheimlich Böse in manch einem Menschen hat schon die ein oder andere egoFM Band fasziniert. Wir haben ein paar Songs und ihre mörderischen Hintergründe rausgesucht.

True Crime in der Musik

Hachja, die liebe Liebe wird häufig und allzu gern besungen, beim ein oder anderen Song kommen sogar die Tränen und rühren zu Tode. Aber es geht auch anders - mit Songs, die von Serienkiller*innen und Massenmörder*innen handeln. Die Gänsehaut ist dann eine ganz andere... 

Der Klassiker: "I Don't Like Mondays"

Bob Geldorf, Frontmann der Boomtown Rats, hockt am Montag, den 29. Januar 1979 für ein Interview bei einem Radiosender, als plötzlich über das Telex-Gerät die grausige Nachricht eines Amoklaufs in San Diego erscheint. Die damals 16-jährige Brenda Ann Spencer schießt von ihrem Kinderzimmer aus mit einem halbautomatischen Gewehr willkürlich auf das Gelände der Grover Cleveland Elementary School.
Dabei erwischt sie den Schulleiter Burton Wragg und den Hausmeister Mike Suchar tödlich - neun weitere Personen (darunter acht Kinder) werden verletzt. 

Die abscheuliche Tat wird allerdings noch absurder. In der Autobiographie Is That It? von Bob Geldorf beschreibt er den Tag wie folgt:
"Während der Sender die Platte laufen ließ, begann das Telex neben mir zu klackern. [...] Während ich dort saß, lehnte ein junges Mädchen namens Brenda Spencer mit einer Pistole aus ihrem Schlafzimmerfenster und schoss auf Leute in ihrer Schule auf der anderen Straßenseite. Was dann passierte, erschien mir als einzigartig amerikanisch. Ein Journalist rief sie an. Sie nahm den Hörer ab, an und für sich schon eine bizarre Unterbrechung, wenn man dabei ist, wildfremde Menschen umzubringen. Er fragte sie, warum sie das tut. Sie überlegte kurz und sagte dann: 'Nichts los. Ich mag keine Montage.'"

Gleich nach dem Interview bringt Geldorf all seine Eindrücke zu Papier. Das Ergebnis:
The Telex machine is kept so clean
As it types to a waiting world
And mother feels so shocked
Father's world is rocked
And their thoughts turn to their own little girl
Sweet sixteen ain't that peachy keen
Now, it ain't so neat to admit defeat
They can see no reasons'
Cause there are no reasons
What reason do you need oh, woah

Tell me whyI don't like Mondays
Tell me whyI don't like Mondays
Tell me whyI don't like Mondays
I want to shoot
The whole day down
Down, down
Shoot it all down

Foster the People: "Pumped Up Kicks"

Hach, weißt du noch, wie der Song munter aus allen möglichen Lautsprecherboxen tönte und muntere Laune verbreitet hat? Super catchy. Aber... hast du dabei auch nur einmal so richtig auf die Lyrics geachtet? Tatsächlich geht es in dem Song um einen gestörten Teenager, der angesichts seiner protzenden Mitschüler*innen die Nerven verliert und Amok läuft ("All the other Kids with the pumped up Kicks, You'd better run, better run, faster than my Bullett").

Mit dem Song wollte Frontmann Mark Foster das Bewusstsein über Waffengewalt schärfen - fast alle der Bandmitglieder mussten Erfahrungen mit Jugendgewalt machen, Foster selbst wurde von seinen Mitschüler*innen gemobbt und die Cousine des Bassisten Cubbie Fink erlebte selbst einen Amoklauf an ihrer Schule.

Der reale Hintergrund soll der Amoklauf von Eric Harris und Dylan Klebold sein.

1999 stürmen die beiden 17-Jährigen die Columbine High School in Colorado mit Schusswaffen, Messern und Sprengstoff, bringen dabei 13 Menschen um und verletzen 24 weitere. Im Anschluss nehmen sich Eric und Dylan in der Bibliothek der Schule selbst das Leben.
Über die Hintergründe ist nicht viel bekannt. Aus Tagebucheinträgen geht hervor, dass die beiden mit unglaublicher Gewalt einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollten. Auch dass der Amoklauf an Hitlers Geburtstag geplant war, soll kein Zufall sein.

Amanda Palmer: "Strength Through Music"

Auch Amanda Palmer beschäftigt dieser Amoklauf.

Die New Yorkerin macht Eric Harris und Dylan Klebold in "Strength Through Music" zum Thema:
Don't bother blaming
His games and guns
He's only playing
And boys just want to have fun

He picked a soundtrack
And packed his bag
He hung his walkman
Around his neck

Tick tick tick tick tick
Tick tick tick tick tick

Der Titel "Strenght Through Music" ist demnach wohl kein Song à la "Musik kann alles heilen", sondern bezieht sich eher darauf, dass Eric Harris und Dylan Klebold große Fans der deutschen Industrial Band KMFDM (Kein Mehrheit für die Mitleid) waren und sich in Songs wie "Son of a Gun", "Stray Bullet" und "Waste" reingesteigert haben.

Gizmo Varillas: "Losing You"

Ein Klagelied an die Opfer vom Orlando Shooting

Im Juli 2018 veröffentlichte der Spanier sein zweites Album Dreaming Of Better Days. Auch wenn die Klänge nur so von Optimismus protzen, sind die Songtexte nachdenklich, sogar traurig. So ist die Single "Losing You" als Antwort auf die Schießerei im Nachtklub in Orlando entstanden.

PJ Harvey: "Down by the Water"

Auch PJ Harvey hat einer Geschichte über Mord und Totschlag ihren Durchbruch zu verdanken.

1995 veröffentlicht die Britin ihren Song "Down By the Water", der von einer Mutter handelt, die eines Tages ihre Tochter ertränkte und nun zurück zum Ort des Geschehens kehrt. Dabei flüstert die Mutter: "Little fish, big fish swimming in the water, come back here, man, gimme my daughter"...

The Smiths: "Suffer Little Children"

Schwieriges Marketing: Kindermorde

Was für eine Aufregung "Suffer Little Children" von The Smiths erregt hat! Der Song erschien 1984 auf dem selbstbetitelten Debütalbum der Smiths und handelt von den üblen Kindnappings und Tötungen, die sich zwischen 1963 und 1965 in der Gegend um Manchester abgespielt haben. Ian Brady und Myra Hindley haben fünf Kinder entführt, ermordet und im Saddleworth Moor vergraben. Der Fall hat Morrissey ziemlich beschäftigt - nicht nur weil er auch aus der Gegend stammt, sondern weil er genau in dem Alter einiger Opfer war. All dies verarbeitet er in "Suffer Little Children" - was bei den Angehörigen der Kinder nicht gut ankommt, weswegen der Song schließlich auch aus einigen Plattenläden in Großbritannien verbannt wird.

Drangsal: "Hinterkaifeck"

Diesen merkwürdigen Namen musst du kennen, wenn du wenigstens einmal im Jahr einen der öffentlichen TV-Sender einschaltest, immerhin gibt es circa dreitausend Filme, Serien und Dokumentationen über diesen Bauernhof, beziehungsweise die grauenhafte und bis heute noch unaufgeklärte Tat, die sich dort im Jahre 1922 abspielte: Sechs Menschen werden brutal niedergeschlagen und ermordet. Sechs Menschen, von denen fünf entfernte Verwandte von Drangsal sind.
Weil Drangsal einen morbiden Touch an seiner Kunst hegt und pflegt ist es gar nicht überraschend, dass er diese Geschichte in einem seiner Songs aufgreift.

Tyler, the Creator

Der Rapper scheint - ähnlich wie die Metalband Macabre, die über so gut wie alle Serienmörder*innen einen Song komponiert hat - ziemlich fasziniert von diesen düsteren Persönlichkeiten zu sein. So handelt "Blow" von Ted Bundy, "Fish" von Albert Fish (dem Werwolf von Wysteria, beziehungsweise dem Moon Maniac beziehungsweise dem Boogey Man - einem Kindervergewaltiger und Kannibalen, der von 1924 bis 1932 sein Unwesen trieb) und "Pigs" von Eric Harris und Dylan Klebold.

Siouxsie and the Banshees

Auch die britische New Wave Band Siouxsie and the Banshees hat sich des öfteren mit Mörder*innen befasst. Auf ihrer Liste stehen: Ed Gein (in "Skin" singen sie über den Butcher of Plainfield - einen amerikanischen Serienkiller, der sich Trophäen seiner Morde (Leichenteile) selbst aus den Gräbern zurück geholt hat), Peter Sutcliffe (aka dem Yorkshire Ripper, der in den 70ern 13 Frauen umgebracht hat) und - wie bereits erwähnt - die Blutgräfin Elizabeth Báthory.



Eine ehrenlose Liste von Serienmörder*innen in der Musik

Elizabeth Báthory

Die ungarische Gräfin ist unter anderem als die Blutgräfin bekannt: Um für immer jung und schön zu sein, badet sie im Blut zahlreicher Jungfrauen, die natürlich erstmal umgebracht werden müssen. Die Geschichte, die sich im 16. und 17. Jahrhundert zutrug, schwängert viele Hirne Kreativer, dass es unzählige Abhandlungen in Literatur, Film und eben auch Musik gibt. So singen beispielsweise auch Siouxsie and the Banshees in "An Execution", Sunn O))) und Slayer über die Gräfin.

Mary Bell

Der Singer / Songwriter Perfume Genius widmet seinen Song "Look Out, Look Out" der Engländerin Mary Flora Bell, die 1968 als circa Zehnjährige zwei kleine Jungen (drei und vier Jahre alt) zu Tode erwürgt. Warum sie das getan hat, kam nie raus. Es wird lediglich vermutet, dass sie seit eines Sturzes (für den ihre Mutter verantwortlich war) auf den präfrontalen Cortex geistig gestört ist.

David Berkowitz

Sowohl in Cypress Hills "Insane in the Brain", als auch in "Looking Down the Barrel of a Gun" von den Beastie Boys, "Summer of Sam" von Lana Del Rey und "Son of Sam" von Elliott Smith geht es um den Serienmörder David Berkowitz, der wiederum als Son of Sam und der .44 Caliber Killer bekannt ist. Acht Menschen hat Berkowitz 1976 in New York erschossen und sechs im Juli 1977. Der Fall geht als eine der spektakulärsten Fahndungen der Geschichte um die ganze Welt - unter anderem auch wegen der Briefe, die Berkowitz an die Polizei hinterlässt, um sich über sie lustig zu machen.

Richard Chase

Die experimentelle Gruppe Xiu Xiu aus Kalifornien singt in "House of Sparrow" über Richard Chase aka The Vampire of Sacramento - von allen sechs Menschen, die er innerhalb eines Monats umgebracht hat, trank Chase das Blut.

Jeffrey Dahmer

Der Milwaukee Cannibal, beziehungsweise das Milwaukee Monster hat seinen berühmt berüchtigten Namen daher, dass er zwischen 1978 und 1991 insgesamt 17 Männer und Jungs vergewaltigt, umgebracht und anschließend zerstückelt hat. Manche seiner Opfer waren bereits leblos, als Dahmer sich an ihnen vergriffen hat. 
Nachdem Dahmer im Juli 1991 gefasst und sechzehnfach zu Lebenslänglich verurteilt wurde, stirbt er 1994, nachdem er vom Mittinsassen Chistopher Scarver zu Tode geprügelt wurde.

Die Liste der Künstler, die über Dahmer singen, ist unglaublich lang: Slayer, Eminem, sogar Kesha, Marilyn Manson, Big L, Ludacris, Pearl Jam, Vince Staples sind nur ein sehr, sehr kurzer Auszug. Von den egoFM Künstler*innen haben sich Phoebe Bridgers mit "Killer" und die Violent Femmes mit "Dahmer is Dead" an das Thema rangewagt.

John Wayne Gacy Jr.

Sufjan Stevens - der Christen-Pop-Dude unserer Zeit - behandelt im gleichnamigen Titel den Serienmörder und Vergewaltiger John Waye Gacy. 33 Teenager und Männer hat er zwischen 1972 und 1978 in Illinois sexuell misshandelt, gefoltert und schließlich ermordet. Im Mai 1980 wurde Wayne Gacy zum Tode verurteilt - erst 1994 wurde der Akt vollzogen.

Theodore (Ted) Kaczynski

Ted war eigentlich ein ziemlich angesehener US-amerikanischer Mathematiker - bis er irgendwann Anhänger des Neo-Luddismus wurde, seinen Job kündigte, fortan ein einfaches Leben führte, anarchische Schriften veröffentlichte, zwischen 78 und 95 16 Briefbomben verschickte - und damit drei Menschen tötete und 23 verletzte.
Mando Diao singen über den Unabomber in ihrem fast gleichnamigen Song "Killer Kaczynski".

Charles Manson

Kann man sagen, dass Charles Manson der Popstar unter den Serienmordenden ist? Möglicherweise nicht, immerhin war dieser Manson eine ziemlich manipulative Bestie, die den Tod vieler veranlasst hat - irgendwie aber schon, immerhin hat er wie kaum ein anderer Killer Künstler*innen, Musiker*innen und Schriftsteller*innen inspiriert: Ozzy Osborne ("Bloodbath in Paradise"), The Flaming Lips ("Charlie Manson Blues"), Sonic Youth und Lydia Lunch ("Death Valley '69"), Lana Del Rey (sogar zweimal: "Freak" und "Heroin" handeln von Manson), Neil Young ("Revolution Blues") und und und und und und und...

Übrigens hatte Musik eine ziemlich krasse (negative) Wirkung auf Charles Manson: Der Song "Helter Skelter" von den Beatles war Ansporn von Mansons Helter-Skelter-Theorie, in der über einen apokalyptischen Rassenkrieg philosophiert wird - um diesen zu entfachen fanden die ersten Morde (durchgeführt von Mansons Anhänger*innen) statt.

Timothy McVeigh

Timothy James McVeigh ist verantwortlich für den tödlichsten Attentat Amerikas, abgesehen vom 11. September 2001. Am 19. April 1995 zündet der damals 27-Jährige die Bombe, die 168 Menschen tötet und 680 verletzt.
Talib Kweli behandelt die Thematik in seinem Track "The Proud".



Alle Mörder*innen in einer Playlist

Wenn du durch bist mit deinem True Crime Podcast, kannst du dich nun genüsslich an diese Songsammlung machen...

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