Was Songs wirklich über Drogen erzählen

Was Songs wirklich über Drogen erzählen

Von LSD, Kokain und Heroin

Von  Jule Fleischmann
Von den Beatles über Fleetwood Mac bis zu Alligatoah


Die Drogenreise der Fab Four

Die Beatles kamen schon früh mit Drogen in Berührung – doch ihre erste richtige Erfahrung mit Cannabis war überraschend unspektakulär. Davor hatten sie bereits mit Amphetaminen experimentiert, doch Gras beeindruckte sie zunächst wenig – sie spürten einfach nichts dabei.
Erst mit Bob Dylan waren sie "das erste Mal so richtig stoned". Das Ganze passierte im August 1964. Paul McCartney erinnerte sich später, dass es zunächst nur Scotch und Cola gab, bis Ringo Starr als Erster einen Zug nahm. Als er sagte: "Die Decke bewegt sich irgendwie nach unten …", waren alle anderen sofort on fire und wollten auch.

Ihre erste LSD-Erfahrung machten John Lennon und George Harrison aber weniger freiwillig. Im März oder April 1965 verabreichte ihnen ein befreundeter Zahnarzt von Harrison bei einem Teebesuch heimlich LSD – später nennt die Band es die "Dental Experience". So schlimm kann die Erfahrung aber nicht gewesen sein – um 1967 experimentierten die Beatles viel mit LSD. In dieser Zeit entstand auch "Lucy in the Sky with Diamonds".


"Lucy in the Sky with Drugs"?

Der 1967 erschienene psychedelische Klassiker gilt bis heute als einer der meistdiskutierten Drogen-Songs der Popgeschichte – obwohl John Lennon das jahrelang bestritt. Lennon schwor gegenüber dem Rolling Stone: "Ich schwöre bei Gott oder bei Mao oder bei wem auch immer, dass ich keine Ahnung hatte, dass man 'Lucy in the Sky with Diamonds' als L.S.D. abkürzen kann." Als Inspiration nannte er eine Zeichnung seines Sohnes Julian, der seine Klassenkameradin Lucy O’Donnell auf dem Bild als "Lucy in the Sky with Diamonds" beschrieben hatte.

Erst 2004 räumte Paul McCartney ein, dass der Titel seiner Meinung nach sehr wohl auf LSD anspiele.


Mit Jefferson Airplane auf einem Drogen Trip durch Alice im Wunderland

Grace Slick singt gerade noch in ihrer alten Band "The Great Society" als sie sich, inspiriert von einem ihrer liebsten Kinderbücher, an einen Song setzt. Sie nutzt viele Referenzen aus Lewis Carrolls Buch Alice im Wunderland. Zum Beispiel, dass sich die Körpergröße verändert, wenn man Pilze ist, dass Alice einem Hasen hinterherläuft und auch die Raupe die Wasserpfeife raucht, wird Teil des Songs.
Sie schnappt sich einfach alle Dinge die man irgendwie mit psychedelischen Drogen wie Haschisch, LSD und psilocybinhaltigen Pilzen in Verbindung bringen kann und packt es in "White Rabbit".
Umgesetzt wird er als einer ihrer ersten Songs in ihrer neuen Band Jefferson Airplane.
Trotz der deutlichen Anspielungen schaffte es "White Rabbit" als eines der ersten Lieder an der Radiozensur vorbei.


Fleetwood Mac und das Goldene Kokain

Auf dem legendären Album Rumours (1977) versteckt sich eine der direktesten Kokain-Metaphern der Rockgeschichte: "Gold Dust Woman" von Stevie Nicks. Nicks bestätigte in einem Interview, dass "Gold Dust" eine Metapher für Kokain sei. "'Gold Dust Woman' war meine Art von symbolischem Blick auf jemanden, der eine schlechte Beziehung durchmacht, eine Menge Drogen nimmt und versucht, es zu schaffen. Versucht zu leben. Versucht, es zu überstehen."
Bei Fleetwood Mac schneite es öfter mal. Bei Drummer Mick Fleetwood war es nach den Aufnahmen von Rumours so krass, dass er sich zwei Jahre an so gut wie war nichts mehr erinnern konnte.


Anthony Kiedis und sein Tiefpunkt unter der Brücke

1991 verarbeitete Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers in "Under the Bridge" seine Heroinabhängigkeit und den Ort, der für ihn zum Symbol des Abstiegs wurde. Nach dem Tod ihres Gitarristen Hillel Slovak an einer Überdosis im Jahr 1988 geriet die Band immer wieder in Drogenkrisen. Kiedis landete zufällig in einem kleinen Mafioso-Drogenring in Los Angeles, dessen Treffpunkt sich unter einer Brücke befand – nur Familienmitglieder durften dorthin. Deshalb sagte einer der Typen, Kiedis würde seine Schwester heiraten. "Wie konnte ich mich selbst so weit kommen lassen?", dachte Kiedis an diesem Tag – und schrieb daraus einen der bekanntesten Songs der 90er.


Alligatoah will gar keine Drogen nehmen

Der deutsche Rapper Alligatoah betonte in Interviews, dass "Willst du" eigentlich kein Drogen-Song sei. „"In der nächsten Zeile heißt es ja bereits: 'Komm, wir gehen zusammen den Bach runter.' Es geht vielmehr um die Mentalität in der heutigen Zeit, die Romantik im Zugrundegehen zu finden. Drogen sind dafür nur das Beispiel der Jugend." Trotz dieser Einordnung spielten einige Radiosender den Song zunächst nicht.

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