Fontaines D.C.: Dopamine Chamber

Fontaines D.C.: Dopamine Chamber

Das Album der Woche

Von  Vitus Aumann
Warum 'Dopamine Chamber' von Fontaines D.C. gar nicht mal so viel mit Glück zu tun hat.


Fontaines D.C. haben ihren Erfolg prophezeit

Im Ersten Refrain auf dem ersten Album haben sie es eh schon prophezeit: Fontaines D.C. werden mal richtig groß. Mittlerweile haben sie die gesamte Presse verzabuert, auch die Popstars sind begeistert und sogar Liam Gallagher beleidigt sie mittlerweile auf X - mehr kann man eigentlich gar nicht erreichen. Fontaines D.C. spielen mittlerweile auf den allergrößten Bühnen, aber trotz all dem klingt ihr neues Album Dopamine Chamber klaustrophobischer als jemals zuvor.

Knisternde Spannung auf Dopamine Chamber

Vom gitarrenlastigen Post-Punk Sound haben sich Fontaines D.C. schon länger wegentwickelt: Dopamine Chamber liefert da jetzt den vorläufigen Höhepunkt: Synthies flirren nah und fern am Ohr vorbei, die Gitarren spielen eher die Nebenrolle, die trotzdem gerne mal die Show stiehlt. Und Grians Stimme klingt eher nachdenklich als druckvoll, fast so als wollte er sich schonmal für das nächste James Bond Theme bewerben. Dopamine Chamber ist also weniger direkt als die Vorgänger, sondern setzt auf komplexere Klangstrukturen: Immer wieder baut sich knisternde Spannung auf, die sich dann nur selten entlädt - aber wenn, dann gewaltig.

"Fontaines D.C. sind wahrscheinlich die größte neue Rockband des Planeten."

Das "Dopamine" im Albumtitel gilt ja eigentlich als sowas wie ein Glückshormon. Doch mit Glück haben die Songs kaum was zu tun. Auf Dopamine Chamber geht es um zwischenmenschliche Entfremdung, Aufmerksamkeitsstörungen und immer wieder die verzweifelte Suche nach der kleinsten Gefühlsregung die vom Horror der Gegenwart ablenkt. Die liefert die Band mit ihrem verführerischen Synthie-Sound dann zwar auch noch gleich mit, aber der nächste gesellschaftskritische Schlag in die akustische Magengrube lässt nie lang auf sich warten. Und wo das Vorgängeralbum noch mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft geendet hat, lassen uns die Iren hier im dunkelsten Dopaminkater zurück. Fontaines D.C. sind wahrscheinlich die größte neue Rockband des Planeten - auch weil sie alles dafür tun, eben nicht so zu klingen

Tracklist: Fontaines D.C. - Dopamine Chamber

  1. Six Shot Morning
  2. Marianne
  3. Mimesis
  4. Happy for You
  5. Demolition
  6. Tongue
  7. One Man
  8. Where Is Gone? (feat. Rosalía)
  9. You Miss Me
  10. Japan
  11. Intimate

Dopamine Chamber von Fontaines D.C. ist am 16. Oktober 2026 via XL erschienen.

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