Er gehört zu den Stimmen, die ganz Deutschland kennt: Fritz Egner, eine der prägendsten Radiomoderatoren des Landes ist zu Gast bei Dominik Kollmann im egoFM Talkradio.
Vom Plattenspieler zum Radiopult
Musik war für Fritz Egner schon als Junge mehr als bloßer Klang. Ein tragbarer Plattenspieler seiner Schwester und der erste Ton von Little Richards "Tutti Frutti gaben" ihm das Gefühl, "etwas zu haben, das nur mir gehört". Aus dieser frühen Faszination wurde eine Lebensaufgabe: Egner entdeckte Radiostationen wie AFN, den amerikanischen Soldatensender in München, und war bald selbst dort als Techniker und später Moderator tätig. Diese Zeit prägte ihn nicht nur als Moderator, sondern als Mensch: Die amerikanische Radiokultur mit ihrem direkten Zugang zu Soul, Rhythm & Blues und Funk prallte auf die eher steifen deutschen Sendungen jener Zeit – und Egner war mittendrin.
Zwischen Mikrofon und Weltstars
In seinem Buch Mein Leben zwischen Rhythm & Blues erzählt Egner von Begegnungen, die man kaum für möglich halten würde: Er klopfte an James Browns Hoteltür – mit Lockenwicklern und ohne Gebiss – und wurde zum Freund. Er spielte Billard mit Eric Clapton, tanzte mit Muhammad Alis Mutter in einer Münchner Disko und interviewte unzählige Legenden wie Stevie Wonder, Lou Reed oder Mick Jagger. Diese Erlebnisse zeichnen nicht nur ein lebendiges Bild der Musikszene der letzten Jahrzehnte, sondern auch eines Menschen, der sich immer mit großer Offenheit und Respekt auf andere eingelassen hat. Egner gelingt es dabei, zwischen künstlerischer Ehrfurcht und humorvollen Anekdoten zu balancieren.
Die ganze Folge vom egoFM Talkradio mit Fritz Egner kannst du hier hören:
Egner ist aber nicht nur ein Sammler schöner Geschichten. In seinem Buch gibt er auch seltene Einblicke hinter die Kulissen: von seiner Zeit als General Manager bei Warner Brothers über die Mechanismen eines Musikbusiness, das Kreativität ebenso fördert wie ausbeutet, bis hin zu seinen eigenen Erfahrungen mit Medien und Öffentlichkeit. Es ist dieser Blick "hinter den Vorhang", der sein Buch für Musikfans ebenso spannend macht wie für alle, die sich für Popkultur und die Entwicklung des Radios interessieren.
Vom Moderator zum Autor
Mein Leben zwischen Rhythm & Blues ist längst keine reine Nostalgie. Es ist die Geschichte einer Leidenschaft, die sich in zwei Kernfragen zusammenfassen lässt: Wie entsteht Verbindung durch Musik – und wie kann sie Menschen über Jahrzehnte hinweg begleiten? Egner beantwortet diese Fragen mit Tiefe, Humor und einer Fülle von Erlebnissen, die weit über Radio-Insiderwissen hinausgehen. Im Gespräch mit Dominik wird schnell klar: Musik war für Fritz Egner nie bloß Unterhaltung. Sie war Trost, Orientierung und manchmal ein Rettungsanker. Besonders eindrücklich erzählt er von der Nacht, in der seine Mutter starb – und dem James-Brown-Song "Mama’s Dead", der ihm in diesem Moment Halt gab. Egner blickt zurück auf seine Kindheit im München der 1950er-Jahre, auf den Moment, als er mit sieben Jahren Little Richards "Tutti Frutti" hörte – ein Schlüsselerlebnis, das seine Liebe zur schwarzen amerikanischen Musik entfachte. Früh zog es ihn in die USA, wo er mit 17 im Apollo Theater in Harlem James Brown live erlebte – als einziger Weißer im Publikum. Ein weiterer Schwerpunkt ist seine Zeit beim amerikanischen Soldatensender AFN, der ihn nachhaltig prägte und zur Blaupause seines Radioverständnisses wurde. Dazu kommen zahlreiche Anekdoten über Begegnungen mit Stars wie James Brown, Stevie Wonder, Muhammad Ali, Mick Jagger oder Lou Reed – immer persönlich, oft überraschend, nie verklärt.
Am Ende wird es ruhig und persönlich: Egner spricht über Ruhm, Anonymitätsverlust, Ernüchterung durch das Musikbusiness – und darüber, was Glück für ihn heute bedeutet.
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