Okta Logue: Runway Markings

Okta Logue: Runway Markings

Der Lieblingstonträger der Woche

Okta Logue nehmen dich mit auf eine Zeitreise, die sowohl in die Vergangenheit, aber irgendwie auch in die Zukunft geht.

Wahrscheinlich ist es ganz gut, dass Zeitreisen immer noch ein Ding der Unmöglichkeit sind. Seien wir doch mal ehrlich: Auch wenn man mit sowas, theoretisch große Katastrophen in der Vergangenheit verhindern könnte: Es wäre doch sicher nur eine Frage der Zeit, bis irgendein Spaßvogel mit allen Staffeln Friends zu den frühen Menschen reist und dafür sorgt, dass vor dem Rad erstmal die Prokrastination erfunden wird. Aber wer tatsächlich mal das Gefühl hat, einfach nicht in diese Zeit passen zu wollen, kann sich trotzdem für eine knappe Stunde ins vergangene Jahrhundert versetzen - also zumindest gefühlsmäßig: Die neue Platte von Okta Logue macht es möglich.

Roadtrip in die Melancholie

Runway Markings ist schon die vierte Platte der Psychedelic-Rocker aus dem hessischen Griesheim. Trotzdem zeigen sich keinerlei Abnutzungserscheinungen: Okta Logue blicken nämlich konsequent nach vorne, auch wenn man bei ihrem Sound etwas anderes vermuten könnte. Während der Vorgänger Diamonds and Despair nämlich das Retrorock-Gaspedal stellenweise bis zum Anschlag durchgedrückt hat, lässt es Runway Markings im Allgemeinen deutlich entspannter angehen. Man hört weniger Rock-Pathos, dafür mehr innere Gelassenheit. Es klingt fast so, als wären Okta Logue nach einem langen, chaotischen, aber doch wunderschönen Roadtrip an der kalifornischen Küste endlich am Ziel angekommen. Die Jungs können aber trotzdem noch das Tempo hochhalten, wenn sie es denn wollen: Vor allem in der Mitte der Platte, bei "Part of the Show" und "In Every Stream a Heartache", wird eindrucksvoll gezeigt, wie energiegeladen Okta Logue sein können, bevor dann "Chocolate and Soda" die Sommermelancholie zurückbeschwört.

Mit den neuen Soundfacetten zeigen Okta Logue auch, dass sie mittlerweile ihre eigene Komfortzone gefunden haben.

Runway Markings klingt wie aus einem Guss. Die Band stemmt mühelos zehn Minuten lange Songs, ohne sich selbst einzulullen. Das liegt auch daran, dass die Jungs trotz der neu gefundenen inneren Ruhe sich immer noch einen kleinen Rest inneres Chaos behalten haben. Bevor ein Song Gefahr läuft in die Belanglosigkeit abzudriften, setzt Gitarrist Philip zu einem Solo an, oder Sänger Benno lässt seine Stimme aufheulen und holt alle Hörer*innen wieder an Bord zurück. Man kann fast schon hören wie wohl sich Okta Logue beim Aufnehmen der Platte gefühlt haben müssen: Um ein Saxofon wie in "The Wheel" aus dem Ärmel schütteln zu können, braucht man schon ordentlich Selbstvertrauen.

Wer Tame Impala schon gut fand bevor jemand Kevin Parker aus seinem Schlafzimmer und in eine Disco gezerrt hat, wird mit ziemlicher Sicherheit auch mit Runway Markings eine wundervolle Zeit haben. Und so zeigen Okta Logue auch, dass man auch in Zukunft noch gut ohne Zeitmaschine auskommen sollte: Denn anstatt sich nostalgisch in der Vergangenheit zu verlieren, nehmen sie sich einfach das beste von damals und machen ihr eigenes, neues Ding draus.




Tracklist: Okta Logue - Runway Markings

01 Yesterday's Ghosts
02 Devil's Dance
03 River Street
04 Runway Markings
05 Part of the Show
06 In Every Stream Home a Heartache
07 Interlude
08 Chocolate and Soda
09 The Wheel
10 Julie
11 Signals and Signs
12 Out of Gas

Runway Markings von Okta Logue wurde am 31. Mai 2019 via Clouds Hill veröffentlicht

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