Mysterien der Musikgeschichte

Mysterien der Musikgeschichte

Vom Club 27 und dem fünften Beatle

Von  Fred Schreiber
Gab es eigentlich ein fünftes Mitglied der Beatles? Wir klären Mysterien der Musik.


Der fünfte Beatle

1969 – die Beatles haben gerade ihr legendäres Album Abbey Road aufgenommen. Gesucht wird noch nach einem Cover und so treffen sich die Beatles an der Ampel vor dem Abbey Road Studio und machen ein paar Schnappschüsse auf dem Zebrastreifen. Alle Beatles mit Schuhen, nur Paul McCartney ist barfuß. Für Verschwörungstheoretiker*innen der letzte Beweis in einer langen Kette an Beweisen: Paul McCartney ist tot. Laut eines Artikels der Campuszeitung der University of Michigan ist er schon 1966 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Um den Erfolg der Band nicht zu gefährden, soll Paul McCartney durch einen Doppelgänger ersetzt worden sein, den man mit chirurgischen Eingriffen an sein Original angepasst hat. Eine These, die vor allem von Radiomoderator Russ Gibb aus Detroit aufgegriffen wird und zum täglichen Inhalt seiner Show wird. 
 
Jetzt mehren sich die Zeichen, vor allem, weil man fieberhaft danach sucht. In einigen Beatles Songs will man Anspielungen auf Pauls Tod erkennen. Vor allem beim legendären "Revolution Number 9". Wenn wenn man den Track rückwärts spielt, wird daraus der Satz  "turn me on, dead man".  Auf nahezu allen Albumcovern seit 1966 finden sich nun Hinweise: Yesterday und Today muss man nur um 90 Grad drehen, um Paul in einem Sag liegend zu entdecken. Sergeant Pepper bringt den Satz "Paul is dead" zum Vorschein,  wenn man die obere Hälfte der Worte "lonlely hearts" spiegelt. Und außerdem ist auf Sergeant Pepper sogar der ursprüngliche Name des Doppelgängers zu hören: Billy Shears. Obwohl sich die Beatles auch dieser Sache wieder einen Spaß machten, musste Paul McCartney feststellen, dass sich das Gerücht hartnäckig gehalten hat. 


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Searching for Sugar Man

1970. In Detroit nimmt ein unbekannter Musiker ein Album auf. Sein Name: Sixto Rodriguez. Seine Songs erzählen von Armut, Drogen und Hoffnung. Doch das Album floppt und Rodriguez verschwindet von der musikalischen Bildfläche. Doch auf der anderen Seite der Welt — Ende der Siebziger in Südafrika — wird Rodriguez mit seinen Songs zur Legende. Seine Songs werden Hymnen des Widerstands gegen das Apartheid-Regime. Doch die internationale Isolation Südafrikas hat auch Folgen für Rodriguez – denn zum Einen erfährt nichts von seinem Erfolg dort und auch in Südafrika selbst ist wenig über ihn bekannt, außer dass er angeblich Selbstmord begangen hat. 

1997 machen sich zwei südafrikanische Fans begeben sich auf Spurensuche nach dem Toten und folgen Gerüchten und einem Songtext von Rodrigeuz, der sie nach Dearborn, Michigan führt. Dort verteilen sie Flyer, bedrucken Milchpackungen mit Rodriguez Bild und rufen über eine Internetseite zu Hinweisen auf. 1998 meldet sich seine Tochter – Rodriguez lebt und arbeitet als Bauarbeiter in Detroit. Er erfährt, dass sein Album Mitte der Siebziger auf einem australischen Label veröffentlicht wurde und sich 40.000 Mal verkaufte. Noch im selben Jahr seiner Wiederentdeckung reist Rodriguez nach Südafrika und gibt dort sechs ausverkaufte Konzerte. Bis 2007 folgt sogar eine Welttournee durch alle Kontinente durch die Rodriguez endgültig zum Superstar avanciert. 2012 erscheint der Film Searching for Sugar Man, der ein Jahr später als bester Dokumentarfilm für einen Oscar nominiert wird. Sixto Rodriguez bleibt der Auszeichnung fern mit der Begründung: Er verdiene keine Credits an diesem Film. Sein letztes Konzert gibt er 2021 in London, im August 2023 stirbt Sixto Rodriguez im Alter von 81 Jahren.

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Der Club 27

Ebenfalls 1970. Jimi Hendrix gilt als größter Gitarrist seiner Zeit. Ein Musiker, der Regeln bricht und Musik neu erfindet. Doch dann im September die Nachricht: "Jimi Hendrix ist tot." Mit 27 Jahren. Wenige Wochen später stirbt Janis Joplin. Auch sie wird nur 27 Jahre alt. Und als Jim Morrison weniger als ein Jahr danach tot in einer Badewanne in Paris gefunden wird — ebenfalls mit 27 — beginnt ein Mythos: Der Club 27. Der Tod so prominenter und charismatischer Künstler*innen innerhalb eines solch kurzen Zeitraums ruft Mystiker und Verschwörungstheoretiker*innen auf den Plan. Für die einen liegt es an der 27, die in esoterischen Kreisen als magische Zahl für den Übergang zwischen Tod und Leben gilt. Andere vermuten einen faustischen Pakt zwischen Teufel und Künstler*in – mit einer Überschreibung der Seele im Alter von 27 – im Austausch mit unsterblichem Ruhm. 

Auch Stones Gründungsmitglied Brian Jones ist Mitglied im Club 27. 1969 wird er nach einer Party in einem Hauspool aufgefunden. Auch um seinen Tod ranken sich allerlei Mythen, für die ein Zusammenspiel von Drogen und Depressionen einfach zu langweilig ist. Selbst Mick Jagger charakterisierte Jones eher als schwierigen Charakter, der mit Ruhm und Erfolg nicht umgehen konnte. Womöglich spielt das Alter von 27 im Leben von jungen Rockstars aber doch eine gewisse Rolle, nachdem Sie von den ersten Wellen des Erfolgs mitgerissen wurden. Jim Morrison selbst begründet den Tod von Hendrix und Joplin mit dem Ankommen in der Realität. Die Liste der Rockstars, die mit 27 sterben, enthält auf der Wikipediaseite mittlerweile über 70 Personen. In den letzten Jahrzehnten wurde sie leider um Namen wie Amy Winehouse oder Kurt Cobain erweitert. Aber auch bei den beiden darf man bei ihrem Tod weniger von Mystik als vielmehr von psychischen Belastungen ausgehen. 27 ist also eher kein Fluch oder Mythos – sondern wohl lediglich ein schwieriges Alter im Leben junger Popstars. Daher Gratulation an alle, die ihren 28. feiern.

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