Aaron Frazer: Into The Blue

Aaron Frazer: Into The Blue

Das Album der Woche

Von  Vitus Aumann
Mal wieder führt der Herzschmerz aus der Komfortzone raus.

Der singende Schlagzeuger im Rampenlicht

Egal wie viele Bands man schon live gesehen hat – singende Schlagzeuger*innen sind halt doch eine ziemliche Seltenheit. Klar, in Deutschland gibt's vielleicht die ein oder andere prominente Ausnahme, aber ansonsten bleibt das Ganze eher besonders. Davon kann auch Aaron Frazer berichten, der durchaus schon verwunderte Blicke aus dem Publikum erspähen konnte, wenn er sich hinter den Drums ans Mikro gewendet hat.

Trotzdem natürlich kein Wunder, dass sich der Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications mit so einer Stimme auch mal ins Rampenlicht stellen möchte. Mit Into The Blue macht er das zum zweiten Mal absolut herausragend.


Aus der Komfortzone

Weil der erste Eindruck ja bekanntlich besonders viel zählt, ist Aaron bei seinem Debüt jetzt kein allzu großes Risiko eingegangen. Introducing war herrlich wohlklingender Retrosoul in Reinform. Das spiegelte aber scheinbar nur einen Teil seiner Seele wider: Sein bislang genaustes Selbstportrait liefert Aaron nach eigener Aussage auf Into The Blue.

Das Album ist aber keine komplette Kehrtwende

Sein Gefühl für süchtig machenden Retrosoul ist immer noch vorhanden, das zeigt vor allem der Song "Payback". Aber Into The Blue bekommt eben eine Evolution hin, ohne dass irgendwas zurückgelassen werden muss.

Der Albumopener kommt zum Beispiel mit ordentlich smoother Entspanntheit um die Ecke in die sich Aarons wohlbekannte Kopfstimme perfekt einfügt. In "Into The Blue" klimpert sogar eine Gitarrenklang, der waschechtes Westernflair aufkommen lässt. Bevor dann aber das Brandeisen aufgeheizt werden kann, kühlt "Fly Away" mit R&B Klängen ab, wie ein Eiswürfel im gut gemischten Drink.

Genau diese Mischung macht Into The Blue so wohlklingend

Zwischen dem leicht ungewohnten Beginn und dem wahrscheinlich größten Experiment "Dime", einem extrem relaxten Downtempo Song mit chilenischem Gastauftritt von Cancamusa, sammelt "Payback" alle wieder ein, die Aarons alten Sound vermissen.

Into The Blue bleibt also nah genug am Retro Soul, um keine alten Fans zu vergraulen, liefert aber auch genug Gründe für neue Fans.


Aufbruch in die Farbenlehre

Das viele Neue in seiner Musik spiegelt natürlich auch so einige Veränderungen Aarons Leben wider. Zum einen lebt er jetzt an der Westküste – bei seiner musikalischen Vorliebe eigentlich eh schon überfällig. Dann pausiert auch noch seine Band: Durand Jones macht gerade lieber ganz alleine Musik und gönnt seiner Band eine Auszeit. Und man kann es sich bei Songtiteln wie "Thinking of You", "Perfect Strangers" und "The Fool" wahrscheinlich schon denken: Da war auch eine in die Brüche gegangene Beziehung mit im Spiel.

Diese ganzen Neuanfänge verarbeitet Aaron Frazer auf Into The Blue mit einer fast schon ansteckenden Neugier aufs Unbekannte. Und vor allem im Sound reißt das ganz neue Möglichkeiten auf.

Klare Vorgaben sind aber eben auch ziemlich enge Mauern.



Tracklist: Aaron Frazer - Into The Blue

  1. Thinking of You
  2. Into The Blue
  3. Fly Away
  4. Payback
  5. Dime feat. Cancamusa
  6. Perfect Strangers
  7. Time WillTell
  8. I Don't Wanna Stay
  9. Play On
  10. Easy To Love
  11. The Fool


Into The Blue von Aaron Frazer wurde am 28. Juni 2024 via Dead Oceans veröffentlicht.

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