Wasser ist nicht gleich Wasser

Wasser ist nicht gleich Wasser

Im Gespräch mit Wassersommelier Arno Steguweit

Wir kennen den Beruf des Weinsommeliers, aber was genau macht ein Wassersommelier? Wasser schmeckt doch immer gleich, oder?

Denkste! Arno Steguweit war 2005 der erste Wassersommelier Europas. Heute hält er Vorträge und Verkostungsseminare zum Thema Wasser. Wir haben mit Arno über seinen Beruf und die verschiedenen Geschmäcker von Wasser gesprochen.
  • Wassersommelier Arno Steguweit
    Das komplette Interview zum Nachhören

Was macht ein Wassersommelier?

Arno erzählt uns:
"Der Sommelier soll eigentlich der Berater für guten Geschmack sein. Es geht immer um's Essen und den großen Genuss. Und wer etwas Besonderes essen möchte und dazu einen schönen Wein trinkt, der sollte nicht vergessen dazu auch das passende Wasser zu trinken."
Arno arbeitete 2004 erst als ausgebildeter Weinsommelier in einem Hotel. Dann entschied der dortige F&B Manager (also eine Person, die sich beruflich mit Essen und Trinken beschäftigt), man wolle den internationalen Gästen etwas Neues, nämlich eine Mineralwasserkarte, bieten. Diese Aufgabe übernahm Arno, er eignete sich so viel Wissen an, dass er in der Presse schließlich "Europas erster Wassersommelier" genannt wurde.

Bei Mineralwasser gibt es große Unterschiede


"Im Mineralwasser sind gelöste Mineralstoffe, Spurenelemente, die der Körper selber nicht herstellen kann und die sind notwendig für unsere ganzen Lebensfunktionen: Muskelfunktionen, Herz-Rhythmus-Funktionen. Und die [Mineralstoffe] schmecken, wenn sie gelöst sind, unterschiedlich, nämlich süß, sauer, salzig und bitter."
Süß kommt bei Wasser nicht vor, aber die anderen Geschmacksrichtungen können wir beim Trinken von Mineralwasser empfinden. Die Kombination aus verschiedenen Mineralstoffen verleiht dem Wasser seinen Eigengeschmack. 
"Die Menge [an Mineralstoffen], die im Mineralwasser enthalten ist, gibt die Quelle vor. Das ist also alles natürlich aus dem Boden entnommen und kann vom Abfüller auch nicht beeinflusst werden. Das heißt jede Marke muss das nehmen, was sie kriegt."

Verschiedenes Wasser für verschiedene Anlässe


Die verschiedenen Mineralwasser mit unterschiedlichen Zusammensetzungen kann man für sich nutzen. Arno liefert uns ein Beispiel:
"Zum Mittagessen möchte ich mich wieder erfrischen, möchte, dass die Atmung wieder aktiv wird, dass der ganze Körper so ein bisschen aus diesem ersten Tief des Tages wieder rauskommt. Da brauche ich viel Kohlensäure, weil die Kohlensäure die Atmung anregt und damit auch alle anderen Kreislauffunktionen wieder in Schwung bringt."
Oder beispielsweise jemand, der*die viel schwitzt, kann Natrium- und Chlorid-reiches Wasser trinken, da man die Stoffe über den Schweiß verliert.

Schmeckt unser Leitungswasser besser als manches Mineralwasser?


"Wir haben besonders großes Glück, dass wir in Mitteleuropa, gerade in Deutschland, wirklich exzellente Qualitäten an Leitungswasser zur Verfügung haben."
Die Stadtwerke machen zwar einen guten Job, doch der gute Geschmack ist nicht immer gegeben, das liegt vor allem an einem Grund:
"Die Wasserversorger sind ja nur verantwortlich für das Wasser bis an die Hausleitungen, das heißt, alles was dahinter liegt, dafür ist letztlich dann die Hausgemeinschaft verantwortlich. Manchmal sind natürlich die Rohrleitungen, durch die das Wasser läuft, nachdem es dann die Wasserwerke verlassen hat, so ein bisschen schaurig."
Deshalb bleibt Arno dabei, dass Mineralwasser für ihn einen höheren Mehrwert hat. Da ist dann drin, was auf dem Etikett drauf steht.


Wasser kann ein Luxusgut und Genussmittel sein, genauso wie ein guter Wein. Davon erzählt Arno auch auf seinen Vorträgen. Doch das Leitungswasser ist natürlich der kostengünstigste und umweltfreundlichste Weg, etwas zu Trinken. Das Projekt Refill stellt kostenlose Möglichkeiten bereit, deine Wasserflasche mit Leitungswasser aufzufüllen. Und wir können uns glücklich schätzen, dass wir hierzulande jederzeit Zugang zu sauberem Wasser haben - das ist schließlich nicht selbstverständlich.


Ein kleines Geschmacksexperiment


Wenn du gerade ein Glas Mineralwasser trinkst, kannst du mal ausprobieren, wie es für dich schmeckt. Arno erklärt:
"Also wenn wir nur ein Glas haben und das trinken, fällt es uns schwer das gezielt zu beschreiben. Wobei man schon drauf achten kann, ob dann an den Gaumenrändern der Speichel ein bisschen anfängt zu fließen - das wäre so ein Zeichen von Säuerlichkeit. Salzigkeit haben wir auf der Mitte der Zunge und auf der Zungenspitze. Und Bitterkeit ist es, wenn es an den Zungenrändern ein bisschen anfängt zu stechen."

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