So war unser Klimaschutz vor 20 Jahren

So war unser Klimaschutz vor 20 Jahren

WWF-Klimachef Michael Schäfer zu Gast bei Anna

Die ganze Woche schon blicken wir zurück in das Jahr 2000. Und da haben wir uns auch gefragt, wie das Thema Klimaschutz vor 20 Jahren aussah.

Deshalb haben wir mit Michael Schäfer gesprochen. Er ist Leiter des Fachbereiches Klimaschutz & Energiepolitik beim WWF Deutschland:
  • So war unser Klimaschutz vor 20 Jahren
    WWF-Klimachef Michael Schäfer zu Gast bei Anna

Und auch im Jahr 2000 wurde schon über das Klima diskutiert.

"Wir wussten damals eigentlich fast alles, was wir heute auch wissen." - Michael Schäfer 
Bereits vor 20 Jahren war der Wissenschaft klar, dass die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre (die vor allem durch die Verbrennung von Öl, Kohle und Erdgas entstehen) zur Erderwärmung führt.

Auch dass die Erderwärmung schreckliche Konsequenzen haben wird, war bereits bekannt.


Angesichts der aktuellen Lage lässt das natürlich den Rückschluss zu, dass die letzten Jahre bereits viel mehr hätte passieren können und vor allem sollen. Aber es ist zum Glück nicht so, das gar nichts passiert ist - denn: Vor 20 Jahren haben Energieunternehmen gesagt, dass erneuerbare Energien langfristig höchstens vier Prozent der deutschen Stromerzeugung abdecken - heute sind wir bei 40 Prozent.

Dieser Aufschwung war der größte Erfolg der Bundesregierung in Sachen Klimaschutz in den letzten 20 Jahren. Damals wurde ein weltweiter Massenmarkt für erneuerbare Energien geschaffen. Die wichtigsten Klimaschutzthemen waren zu dieser Zeit der Atomausstieg und der Einstieg in die erneuerbaren Energien. Der private Klimaschutz bei jeder*m einzelnen beschränkte sich vor allem auf einen sparsamen Einsatz von Energie und die Reduzierung des Autoverkehrs.

Heute wird weltweit mehr in Solarenergie und Windkraft investiert als in neue Kohle-, Erdgas-, Öl- und Atomkraftwerke zusammen.


Das heißt, die Energiewende ist weltweit nicht zu stoppen...

...aber eben noch viel zu langsam.

Es geht, laut Michael Schäfer, nicht darum, irgendwann in der Zukunft bei Null Treibhausgasen zu sein, sondern darum, die Erderhitzung zu stoppen, und zwar bei 1,5 Grad. Andernfalls verstärkt sich die Erderwärmung von selbst und kann nicht mehr gestoppt werden.
"Wir drohen in eine Spirale zu kommen, wo wir die Erderhitzung überhaupt nicht mehr stoppen können, weil sie sich von alleine verstärkt." - Michael Schäfer

2020 müssen alle nochmal einen drauflegen

Dieses Jahr müssen alle Staaten des Pariser Abkommens ihre Klimaziele für 2030 überprüfen und anschließend erhöhen. Die bisherigen Ziele sparen nur etwa ein Drittel von dem ein, was wir insgesamt brauchen, um das Ziel von 1,5 Grad zu erreichen.
Bei der Klimakonferenz in Madrid letztes Jahr haben ungefähr 80 Staaten zugesichert das zu machen, allerdings waren das viele Staaten, die ohnehin sehr wenig zum Treibhausgaseffekt beitragen (insgesamt nur etwa 10 Prozent der Emissionen weltweit).

Schaffen wir es, die Klimaziele und die nötigen Maßnahmen zu erhöhen, um die Erderwärmung zu stoppen?


Ein großer Schritt könnte es sein, dass sich im September diesen Jahres China - der größte Verursacher der CO2 Emissionen weltweit - und die EU - der drittgrößte Verursacher - in Leipzig beim EU-China Gipfel treffen. Denn die positiven Klimaschutzentwicklungen der vergangenen 20 Jahre waren wichtig, reichen aber noch nicht aus.

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