5 ungeklärte, sehr mysteriöse Fälle

5 ungeklärte, sehr mysteriöse Fälle

egoFM Real Life-Mystery

Von  Viktoria Molnar
Wir lieben Gruselgeschichten. Aber wenn der Spuk real wird, stoßen wir Menschen an unsere Grenzen.

Der Djatlow-Pass

1959, Uralgebirge: Eine zehnköpfige Gruppe vom Sportverein des Polytechnischen Instituts in Jekaterinburg bricht am 27. Januar zu einer zweiwöchigen Skiwanderung auf. Acht Männer und zwei Frauen, die bei Temperaturen bis zu -30 Grad Celsius mit Skiern und Ausrüstung bepackt durch die damalige Sowjetunion wandern. Einer von ihnen wird am ersten Tag krank und kehrt frühzeitig um. Die restliche Gruppe wandert weiter und hält die Expedition fest, in Form
von Fotografien und Tagebuch-Einträgen. Der letzte Eintrag vom 31. Januar lautet übersetzt:

"Ein sanfter Anstieg…Erschöpft errichten wir unser Nachtlager. Es gibt wenig Brennholz…Abendessen im Zelt…Hunderte Kilometer entfernt von menschlichen Siedlungen."

Am 21. Februar macht sich ein Suchtrupp auf, um die Gruppe zu finden - denn die wird bereits seit gut einer Woche vermisst. Nach sechs Tagen finden Helfer*innen eines der Zelte: Verlassen und von innen aufgeschlitzt - mitsamt der Ausrüstung ordentlich zusammengelegt. Neun Paare geordneter Fußabdrücke, die nicht auf Panik schließen lassen, führen die Ermittler*innen 1,5 Kilometer weiter den Hang hinab zum nahegelegenen Waldstück. Hier finden sie zwei Studenten unter einem Baum liegend - beide tot. Kaum bekleidet, trotz der -30 Grad. Der Rest der Gruppe lag verteilt im Umkreis von 500 Metern - ebenfalls tot. Drei der neun Wander*innen starben durch Gewalteinwirkung, so stark wie nach einem Autounfall. Zwei von ihnen hatten klaffende Augenhöhlen und einer Frau fehlte die Zunge. Verwandte merkten später an, die Toten hätten gebräunte Haut und ergraute Haare gehabt. Das Eigenartigste an der ganzen Sache: drei Klamottenstücke waren radioaktiv verseucht. Befunde, die Fragen aufwerfen, auf die es kaum befriedigende Antworten gibt. Erklärungsversuche reichen von Lawinen und Kälteidiotie über Spionage-Operationen bis hin zu Ufo-Angriffen. Nach dem Ereignis wurde der Zugang zu dem Gebiet für drei Jahre gesperrt. Die Erklärung mit der die Ermittler*innen den Vorfall abschlossen:

"The cause of death was an unknown compelling force, which the hikers were unable to overcome."

Etwas unbefriedigend, oder? Eine bessere Antwort fand man bis heute nicht. Weder in den Tagebüchern, noch in den neuesten Investigationen, die nach über 60 Jahren wieder aufgenommen wurden. Forscher*innen gehen mittlerweile zwar davon aus, dass es unter besonderen Umständen doch eine Lawine gewesen sein könnte. Was die neun Sportler*innen im tiefsten Winter des Urals aber wirklich dazu bewegte ihre Zelte zu verlassen und sich dem sicheren Kältetod auszuliefern, können wir wahrscheinlich nie mit völliger Sicherheit sagen.

Der Poltergeistfluch

Stell dir vor, du spielst in einem Horrorfilm mit und fünf deiner Schauspielkolleg*innen sterben alle innerhalb der nächsten drei Jahre auf mysteriöse Weise. So und nicht anders erging es dem Cast des Horrorfilms Poltergeist. Im Film führt die Familie Freeling ein idyllisches Leben - bis die jüngste Tochter Carol Anne eines Nachts von einer übernatürlichen Macht vor den Fernseher gelockt wird. Von nun an wird die Familie von einem Poltergeist terrorisiert: die Haushaltsgegenstände spielen verrückt und die Tochter wird entführt. Soweit, so gut - typisch Horrorfilm eben. Nur sei nicht nur das Haus im Film mit einem Fluch belegt, sondern der gesamte Cast des Drehs. Haufenweise Tote, Unfälle und sogar Mord. Der Horror beginnt schon am Set: Nachdem eine Garage am Set in Flammen aufgeht, wird die Szene gedreht, in dem der kleine Sohn der Familie von einer Clownspuppe gewürgt wird. Der Mechanismus des Clowns aber hatte eine Fehlfunktion, wodurch er den Schauspieler beinahe wirklich erwürgt hätte. Der Regisseur erkannte das in letzter Sekunde und befreite den Jungen.

Auch nach dem Dreh passierten einige wirklich ungute Dinge: Dominique Dunn, die im ersten Teil des Poltergeists die älteste Tochter spielt, wurde im Streit von ihrem Freund gewürgt. Sie kam ins Krankenhaus, lag im Koma und starb letztendlich an ihren Verletzungen. Auch die jüngere Tochter im Film Heather O'Rourke starb nach dem Ende der Dreharbeiten für den dritten Teil von Poltergeist. Im Jahr 1988 in San Diego. Im gleichen Jahr und am gleichen Ort, welche auf dem Plakat des Super Bowls an der Wand des Sohnes im ersten Teil dargestellt sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind diese Ereignisse dem Zufall geschuldet, doch die überzeugten Geister Fans sind sich sicher, dass das Set verflucht gewesen sei muss. Wieso? Weil das Filmteam beim Dreh zum ersten Poltergeist echte menschliche Skelette für eine Szene nutzte, weil das billiger und realistischer sei. Aber ist es überhaupt relevant, ob der Film mit vermeintlichen Fluch belegt ist? Vielleicht geht es viel eher darum, bestimmte moralische Grenzen zu wahren - vor allem dann, wenn es nur um den Dreh eines Films geht.

 

Die Séance der Estefanía Gutiérrez Lázaro

Der spanische Horrorfilm Veronica basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich in Madrid Anfang der Neunziger zugetragen haben soll. Die damals 18-jährige Estefania Gutiérrez Lázaro veranstaltete mit ihren besten Freundinnen eine Ouija-Seance, bei der sie mit einer Alphabettafel versuchten, das Jenseits zu kontaktieren. Die Seance endete äußerst seltsam: Plötzlich sei Rauch entstanden und in Estefanias Mund und Nase gestiegen. Nach dieser Sitzung war nichts mehr wie zuvor. Estefania soll sich eigenartig benommen haben: immer wieder hätte sie Halluzinationen und heftige Krämpfe gehabt. Die Symptome wurden nach und nach so heftig, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Und dort kurze Zeit später starb - an einer unbekannten Todesursache. Nach Estefanias Tod sollen in der Wohnung der Eltern unerklärbare Dinge vorgefallen sein: elektronische Geräte hätten sich von selbst ein- und ausgeschaltet und der Höhepunkt: ein Foto von Estefania hätte aus dem Nichts heraus plötzlich Feuer gefangen. Paco Plaza, Regisseur des Netflix-Streifens Veronica, erklärte, warum die Geschichte in Spanien so populär ist:

"It's the only time a police officer has said that he has witnessed something paranormal. And it's written on a report with an official police stamp and it's really impressive." - Paco Plaza

Ein Polizist hatte das erste und einzige Mal in Spanien in einem Protokoll paranormale Aktivitäten beschrieben. Die Familie habe ihn und seine Kollegen eines Nachts nach Estefanias Tod gerufen und von fliegenden Möbeln gesprochen. Skeptisch betrat er die Wohnung und sah nach eigenen Angaben komische Dinge: ein zuvor normales Kreuz, welches plötzlich umgedreht war und ein unbeschädigtes Poster, das auf einmal zerschnitten war. Der Regisseur gibt auf diese Theorien aber eine versöhnliche Antwort: dass eine Geschichte, egal wie spannend immer davon abhänge, wer sie erzählt.
  • Der Djatlow-Pass
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  • Der Poltergeistfluch
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  • Die Seance der Estefania Gutiérrez Lázaro
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  • Das Hexenhaus
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  • Der Gutshof Hinterkaifeck
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Das Hexenhaus

Anfang der 1970er Jahre kaufte die Familie Perron an der Ostküste der USA ein altes Farmhaus aus dem 18. Jahrhundert. Zusammen mit ihren fünf Töchtern wohnten sie hier. Die Vorkommnisse, die sich hier in den nächsten Jahren ereignen, bilden die Grundlage für den Horrorfilm The Conjuring. In mehreren Büchern hat die älteste Tochter der Familie Perron ihre Erlebnisse festgehalten: Schon direkt nach dem Einzug soll sie einen alten Mann im Wohnzimmer stehen sehen haben. Daraufhin häuften sich die unerklärlichen Ereignisse in den Räumen des 1736 erbauten Hauses: Türen schlugen von selbst zu, in manchen Räumen wurde es ganz plötzlich bitter kalt und ab und an soll ein Geruch der Verwesung in der Luft gelegen haben. Die Geschehnisse trieben die Familie in den Wahnsinn - rund drei Jahre nach ihrem Einzug, suchte das verzweifelte Ehepaar die prominenten Geisterforscher*innen Lorraine und Ed Warren auf - auf deren Aufzeichnungen auch der Film basiert. 

Andrea Perron, die Tochter erzählt in einem Interview, dass vor allem die Mutter geplagt worden sei und diese sich nach und nach in der Geschichte des Hauses verlor. Eine Hexe, soll hier mit ihrem Mann und Sohn gelebt haben. Ihren Sohn soll sie umgebracht haben. Von diesem Geist sei die Mutter nun befallen. Auch die Warrens konnten der Familie nicht helfen, die Vorfälle nahmen kein Ende und die Familie entschied sich nach zehn Jahren des Spuks endlich auszuziehen. Im Dorf Harrisville auf Rhode Island in den USA steht das Haus noch heute. 2019 lebte hier kurzzeitig wieder ein Paar. Doch mittlerweile steht das Haus wieder zum Verkauf ausgeschrieben. Denn auch das Paar sei von so manchen Unerklärlichen Vorfällen überrascht worden.

Der Gutshof Hinterkaifeck

1. April 1922: ein Hof in der Einöde vor Ingolstadt. Zwei Kaffeeverkäufer kommen nach Hinterkaifeck wegen einer Bestellung. Sie klopfen mehrmals, gehen um das Gebäude herum. Außer dem bellenden Hund und der brüllenden Kühe, ist niemand anzutreffen. Am Morgen dieses Tages hatte die siebenjährige Tochter des Hofs bereits in der Schule gefehlt - unentschuldigt. Tags drauf fehlt die gesamte Familie beim Sonntagsgottesdienst. Ein Monteur, der am Montag, den 4. April nach Hinterkaifeck gekommen war, um eine Maschine zu reparieren, sucht ebenfalls vergeblich nach seinem Auftraggeber. Die Tiere scheinen versorgt, es herrscht gespenstischen Stille auf dem Hof. Er schlägt Alarm. Als mehrere Stunden später einige Männer des Dorfes kommen, um nach dem Rechten zu sehen, machen sie eine grauenvolle Entdeckung: Im Haus und im angrenzenden Stall finden sie die Leichen der sechs Gutsbewohner*innen, bestialisch hingerichtet. Auch 100 Jahre später ist der Fall Hinterkaifeck noch immer ungelöst und bringt viele Ungereimtheiten mit sich: Schon vor der Tatnacht entdeckte der Gutsbesitzer Spuren im Schnee, die zum Hof hinführen, aber nicht wieder weg von ihm. Auch einen Haustürschlüssel vermisste er. Hinzu kommt, dass die Hinterkaifecker*innen ab und an einen Mann bemerkten, der das Gehöft vom Wald aus beobachtete. In der Nacht hörten sie Schritte auf dem Dachboden über ihren Schlafräumen, doch es war niemand aufzufinden. Die Mordwaffe, eine Hacke, wurde erst ein Jahr nach dem Mord beim Abriss des Hofs entdeckt, trotz Spürhunden bei den Ermittlungen. Der ermordete Bauer und seine Tochter hatten ein inzestuöses Verhältnis, für das beide, sogar mehrmals, verurteilt wurden.

Das wahrscheinlich abartigste an dem Fall: Zwischen dem Zeitpunkt der Tat und der Entdeckung der Leichen lagen vier Tage: In dieser Zeit wurde das Vieh gemolken und getränkt und der Brot Vorrat aufgebraucht. Die Polizei entdeckte auch, dass das Fleisch in der Vorratskammer frisch angeschnitten worden war. Der Täter hatte also noch ganze vier Tage auf dem Hof mit den verwesenden Leichen gelebt. Auch gab es unzählige Vernehmungen, über 100 an der Zahl. Doch bis heute konnte der sechsfache Mord nicht aufgeklärt werden und somit bleibt das düstere Geheimnis um den Hof Hinterkaifeck eines der bedeutendsten Rätsel der deutschen Kriminalgeschichte. egoFM Künstler Drangsal, Max Gruber, hat über diesen Fall einen Song geschrieben, nicht weil, wie man vielleicht meinen könnte, ein Riesen Mystery-Fan ist, sondern, weil er auch ein Hinterkaifecker ist. Ja, ihr habt richtig gehört, er ist mit der Familie Gruber verwandt. 

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