Meinung: Trubel um Lana Del Rey

Meinung: Trubel um Lana Del Rey

Warum sich Feminist*innen jetzt gegen sie auflehnen

Nach einem Post auf Instagram bekommt Lana Del Rey viel Gegenwind - ihr wird Rassismus und Anti-Feminismus vorgeworfen.

Was genau ist eigentlich passiert?

In den letzten Jahrzehnten hat sich deutlich gezeigt - Künstlerinnen wie Beyoncé, Taylor Swift oder Nicki Minaj können durchaus mit ihren männlichen Kollegen in der Popmusik mithalten. So auch Lana Del Rey, die mit ihrem letzten Album Norman Fucking Rockwell sogar eine Grammy Nominierung für das beste Album einheimsen konnte. 

Allerdings ist Lana Del Rey besonders mit Songs erfolgreich, die von toxischen Beziehungen handeln, in der die Frau eine eher devote Rolle mimt - dafür wurde sie in der Vergangenheit schon oft kritisiert. Gerade von anderen Frauen wird Lana Del Rey vorgehalten, sie sei eine Anti-Feministin und hätte die Frau in ihrer Rolle in der Gesellschaft um Jahre zurückgeworfen.

Anscheinend ist ihr jetzt der Kragen geplatzt: In einem emotionalen Post auf Instagram sprach sie genau diese Kritik zu ihren Songtexten an. Und vergleicht ihre Situation mit der von anderen weiblichen Popsängerinnen, die ihrer Meinung nach thematisch in eine ähnliche Richtung gehen:

"Now that Doja Cat, Ariana, Camila, Cardi B, Kehlani and Nicki Minaj and Beyoncé have had number ones with songs about being sexy, wearing no clothes, (expletive), cheating, etc — can I please go back to singing about being embodied, feeling beautiful by being in love even if the relationship is not perfect, or dancing for money — or whatever I want — without being crucified or saying that I'm glamorizing abuse?"

Außerdem schreibt sie weiter, dass sie es satt habe, sich vorwerfen zu lassen, sie würde Missbrauch beschönigen und romantisieren. Hier kannst du das ganze Statement lesen:

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Rassismusvorwürfe: Es hagelt Kritik

Wenn man sich ganz unvoreingenommen in die Lage von Lana Del Rey versetzt - die nun jahrelang mit der Kritik an ihrem künstlerischen Schaffen leben muss: Sicher, das ist alles andere als leicht. Hätte sie ihre Gedanken dazu anders formuliert, hätte es möglicherweise keinen so großen Aufschrei im Netz gegeben.

Vor allem kritisieren viele User*innen jetzt, dass sie sich mit ihrem Statement fast ausschließlich auf schwarze Künstlerinnen bezieht. Dass sie ihren Text damit beginnt, diese Musikerinnen aufzuzählen, macht es nicht besser: Es wirkt fast so, als wolle sie ihre Mitmusiker*innen direkt angreifen.


Alle von ihr aufgezählten Frauen mussten sich über die Jahre ebenfalls viel Kritik anhören und hart für ihre Position in der Popmusik kämpfen. Es ist nicht so, dass Beyoncé der Titel der Queen Bee einfach in den Schoß gefallen wäre. Zusätzlich hatten diese Künstlerinnen nicht nur mit Vorurteilen gegenüber Frauen in der Musikindustrie zu kämpfen und der Kritik an dem emanzipierten Frauenbild, das sie verkörpern, sondern mussten und müssen sich auch heute mit rassistischen Kommentaren rumschlagen.

Ist Lana Del Rey eine Karen?

Als im Gegensatz dazu eher privilegierte weiße Frau wird Lana Del Rey mit ihrem Statement von Kritiker*innen nun vorgeworfen, eine "Karen" zu sein. Kurze Erklärung dazu – Karen ist eine abwertende Bezeichnung für eine weiße Frau mittleren Alters, der es eigentlich gut geht und die alles hat, die sich aber trotzdem als Opfer sieht und über alles meckert. Also die Frau im Supermarkt, die beim kleinsten Problem sofort den Filialleiter sprechen möchte - schließlich ist die ganze Welt gegen Karen...

Der zweite Post

Die Kritik an ihrem Post nahm im Laufe der letzten Woche dann so viel Fahrt auf, dass sich Lana Del Rey noch einmal zum Thema äußerte:

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Sie entschuldigt sich nicht direkt, sondern hält an ihrer Meinung fest und bezeichnet ihre Kritiker*innen als Trump-Unterstützer*innen, die nicht lesen können und mit ihrem Statement einen Rassenkrieg anzetteln wollen.

Mit diesem Versuch, Klarheit zu schaffen (oder war es das überhaupt?), gelingt es ihr - Überraschung! - nicht, die Massen zu besänftigen.


Aber muss sie das überhaupt? Wurden ihre Worte tatsächlich einfach falsch interpretiert? Und was wäre passiert, wenn Lana Del Rey in ihrem Statement Taylor Swift oder Miley Cyrus als Beispiele genannt hätte - wie wäre diese Diskussion dann verlaufen?

Auch in ihrem dritten Post, in dem sich Lana Del Rey zur Kritik noch einmal in einem Video äußert, gibt sie ihren Kritiker*innen noch mehr Angriffsfläche. Einerseits spricht sie davon, dass man es ihr ermöglichen solle, ihre eigene Geschichte zu erzählen - was ja richtig ist. Aber andererseits kann sie es wieder nicht lassen, einen Vergleich mit der Musikerin FKA twigs und deren Stellung in der Popkultur zu ziehen.


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Alles halb so wild? Wie muss man die Äußerungen von Lana Del Rey denn nun verstehen? Unsere Onlineredakteurin meint:

Schwarz-weiß Denken im Feminismus

Ziemlich klarer Fall: Lana Del Rey ist Opfer von einem pauschalen schwarz-weiß Denken geworden - und nein, in diesem Fall ist hier nicht die Hautfarbe gemeint. 

Lana Del Reys Songs, in denen sie über emotionalen Missbrauch spricht, sind Geschichten aus ihrem eigenem Leben und damit authentisch. Ihr Blick auf die Welt ist nunmal aus ihrer Perspektive und spiegelt oft eine konservative, veraltete Frauenrolle wieder. Ist sie deswegen eine Anti-Feministin, die nicht an die Gleichberechtigung der Frau glaubt?

Nein: Lana Del Rey ist nur eine von vielen Frauen, die toxische Beziehungen durchlebt haben. Mit ihren Songs eröffnet sie einen Diskurs über das Thema und regt durchaus zum Nachdenken an. Es ist gut, wenn auch diese Perspektive von Frauen in der Popkultur vertreten wird.

Romantisiert Lana Del Rey mit ihrer Musik emotionalen Missbrauch?

Darüber lässt sich streiten - denn indem Lana Del Rey aus ihrer verknallten Sicht über das Thema singt, wirkt die Geschichte einfach echt.

Sie passt vielleicht nicht in das Bild der starken, emanzipierten, selbstbestimmten Frau, das im Feminismus an oberster Stelle steht. Trotzdem ist es wichtig, darüber zu sprechen und toxische Beziehungen auch aus diesem Blickwinkel zu beleuchten.



Dass sich Lana Del Rey gegen die jahrelange Kritik an ihrer Arbeit wert, ist durchaus verständlich und richtig. Dass sie diese Kritik dabei mit dem Kampf von schwarzen Musikerinnen und Künstlerinnen, die ein anderes Frauenbild verkörpern als sie, gleichsetzt, ist ein Schlag ins Gesicht - auch wenn das (vermutlich) nicht ihre Absicht war.

Die Debatte um ihr Statement hat eines aber ganz deutlich gemacht: Jede*r Künstler*in hat eine Daseinsberechtigung - man muss als Frau keine Gallionsfigur des Feminismus sein, um in der Popkultur seinen Platz einzunehmen.


Dann muss man diese Position aber auch selbstbewusst vertreten, ohne sich mit anderen vergleichen zu müssen. Das hat Lana Del Rey mittlerweile wahrscheinlich auch gelernt.

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