Belfast

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Von  Fabian Broicher
'Belfast' von Regisseur Kenneth Branagh gilt zurzeit mit elf Nominierungen als einer der größten Favoriten im Oscar-Wettrennen – ob der Film abseits davon überzeugt, weiß egoFM-Kinoredakteur Fabian Broicher.



Manchmal benötigen Filme weit ausholende Erklärungen bezüglich Plot, Titel und den vielschichten behandelten Themen, manchmal reicht jedoch auch einfach nur der Titel. Belfast fällt in die zweite Kategorie, denn genau dort spielt der Film von Regisseur Kenneth Branagh. Branagh, selbst in der irischen Hauptstadt aufgewachsen, kehrt somit zu seinen Wurzeln zurück, um eine autobiografisch geprägte Familiengeschichte zu erzählen, die gleichzeitig auf Irlands bewegte Historie Bezug nimmt.

Worum es im Film Belfast geht

Ganz konkret beginnt die Handlung von Belfast Ende der sechziger Jahre, in denen Bürgerkriege zwischen den Protestanten sowie den Katholiken das Land zu zerreißen droht. Dort treffen wir auf den neun Jahre alten Buddy und seine Familie, die die Gewalt der Ausschreitungen hautnah erleben, denn die protestantischen Leute leben mitten in einem katholischen Viertel, in dem häufig Fenster von Wohnhäusern zerstört, Autos demoliert und in die Luft gesprengt und Bürger*innen terrorisiert werden. Buddys Vater, der nach häufigen beruflichen Reisen ins Ausland seine Heimat kaum mehr wiederzuerkennen glaubt, trifft es ganz besonders, als ihn der Anführer der protestantischen Bürgerwehr unter Druck zu setzen versucht. Aus diesem Grund möchte Buddys Vater Irland am liebsten mitsamt Frau und Kindern verlassen. 
 
Buddys Herz hängt allerdings sehr an Belfast. Hier fühlt er sich pudelwohl, nicht zuletzt dank seiner liebevollen Großeltern sowie dem Mädchen aus der Schule, die immer in der ersten Reihe sitzt und er heimlich anhimmelt. Obendrein besitzen seine Eltern nicht viel Geld, wobei Buddy ausgerechnet die seltenen Besuche ins Kino und ins Theater, die sie sich leisten können, so liebt. Und Belfast zu verlassen, würde bedeuten, all das hinter sich zu lassen.
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Oscarreif?

Es verwundert nicht, dass man Belfast derzeit gute Chancen zugesteht, bei der diesjährigen Oscar-Verleihung abzuräumen, denn Kenneth Branagh gelingt es mühelos, große Emotionen mit historischen Ereignissen zu verbinden. Vor allem findet er überzeugende Schwarz-Weiß-Bilder, um seine Geschichte zu erzählen, obwohl der Film nicht ganz ohne Farbe auskommt. Neben den Hochglanzbildern des modernen Belfast im Intro, das so wirkt, als hätte Branagh einen Reisewerbespot abliefern wollen, erlebt der kleine Buddy bunte Bilder auf der großen Kinoleinwand.

Auch das Grauen des wütenden Bürgerkrieges, dessen Ausmaße sogar Unschuldige zu spüren bekommen, wird greifbar und eindrücklich dargestellt. Hinzu kommen ordentliche Leistungen von Jamie Dornan, dem man als stets besorgter Familienvater eine abschließende Gesangseinlage gönnt, und dem gerade einmal elf Jahre alten Jude Hill, der den Buddy verkörpert. Vor allem aber lebt der Film von den Momenten der Großeltern, die, liebevoll gespielt von Dame Judi Dench und Ciarán Hinds, jede Szene, in der sie auftreten, sehenswert machen. Trotzdem ist Belfast alles in allem ein wenig zu schwülstig geraten. Warum Branagh ausgerechnet ausschließlich Musik von Covidiot Van Morrison verwendet, bleibt wohl sein Geheimnis; obendrein drückt der Schluss etwas zu sehr auf die Tränendrüse.

Damit überzeugt Kenneth Branagh zwar eventuell die Oscar-Jury, an dieser Stelle reicht es für Belfast immerhin noch zu 7 von 10 irischen Hauptstädten.

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